Nordrhein-Westfalen ist das Verkehrsland Nummer 1 – nirgendwo werden mehr Güter über Straßen und Schienen bewegt, als im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik. Eine unverzichtbare Rolle für die nordrhein-westfälische Wirtschaft spielen vor diesem Hintergrund auch die Häfen in den Niederlanden und in Belgien. Die meisten Seeimporte und -exporte NRWs werden nämlich nicht über die deutschen Nordseehäfen, sondern über die Häfen in Rotterdam und Antwerpen abgewickelt. Um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen und um Gespräche mit den Verantwortlichen zu führen, besuchte der Verkehrsausschuss des Landtags in dieser Woche die beiden Häfen in Rotterdam und Antwerpen. Für die Grüne Fraktion waren Arndt Klocke, Sprecher für Verkehrspolitik, und Rolf Beu, Sprecher für Bahnpolitik, mit dabei.
Zunächst ein paar Fakten: Gemeinsam mit Zeebrügge und Amsterdam bilden Rotterdam und Antwerpen die sogenannten ZARA-Häfen. Rotterdam ist mit einem Gesamtumschlag von 442 Mio. Tonnen in 2012 mit weitem Abstand die Nummer 1 aller europäischen Häfen, gefolgt von Antwerpen mit einem Jahresumschlag von 184 Mio. Tonnen. Beim stetig steigenden Containerumschlag stehen Rotterdam und Antwerpen ebenfalls auf Platz 1 und 2 in Europa. Neben den BeNeLux-Ländern ist Deutschland der größte Kunde der ZARA-Häfen – und Nordrhein-Westfalen mit weitem Abstand das wichtigste Bundesland.
Der Containerverkehr zwischen Nordrhein-Westfalen und den ZARA-Häfen soll sich nach vorsichtigen Schätzungen in den nächsten zwanzig Jahren mehr als verdoppeln. Um diesen Zuwachs bewältigen zu können, muss nach übereinstimmenden Äußerungen aller Beteiligten der Anteil der Zu- und Ablieferungen über den Rhein und die Eisenbahnstrecken mindestens verdreifacht werden.
Mit der momentanen Bahn-Infrastruktur in NRW ist das unserer Meinung nach aber schlicht nicht zu schaffen. Wir Grüne sind uns deshalb einig, dass folgende Infrastrukturprojekte im Land massiv vorangetrieben werden müssen:
- Die Fortführung der in den Niederlanden bereits fertiggestellten Betuwe-Linie von der Grenze bei Emmerich bis Oberhausen
- Der Ausbau der Strecke Aachen – Köln als Fortführung der Montzenlinie mit einem 3. bzw. 4. Gleis zwischen Aachen und Düren
- Die Wiederherstellung der durchgehenden Zweigleisigkeit zwischen Venlo und Mönchengladbach im Bereich Kaldenkirchen – Dülken
- Der Neubau einer Bahnstrecke zwischen Roermond und Möchengladbach (Eiserner Rhein)
Trotz der herausragenden Bedeutung für Nordrhein-Westfalen muss bei allen Projekten von Anfang an eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger gewährleistet werden. Nur so lässt sich ein Erfolg für die Menschen und die Wirtschaft sicherstellen.
Nachfolgendes Interview wurde auf der Homepage der Grünen Landtagsfraktion veröffentlicht.











